20/10/2020 - Interview

Online Coaching: “Wir sind jetzt alle TV-
Produzenten”- Arno Sousa im Interview

Beruflich verbringen wir immer mehr Zeit in Online Meetings und Webinaren. Arno Sousa möchte Verständnis für die besonderen Bedingungen und Anforderungen dieser Art der Kommunikation schaffen. Gelegenheit dafür bot ihm die diesjährige Polis Convention. Corona-bedingt musste das beliebte Format virtuell durchgeführt werden. Daher coachte Arno Sousa zuvor die Referenten in seiner Funktion im freiberuflichen  Team von JKR-EVENTS als Ablaufregie – für ein besseres Erlebnis auf dem Bildschirm.

Herr Sousa, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit für das Interview genommen haben. Können Sie uns wohl kurz erklären, worum es bei Ihrem Online-Coaching geht?

Sousa: Beim Coaching ist unser Anliegen, bei allen Teilnehmenden ein Bewusstsein für den Unterschied zwischen Online-Kommunikation und Präsenzveranstaltung zu schaffen. Der größte Unterschied lautet nämlich: In Online-Meetings bekommen wir fast keine nonverbalen Informationen mehr. 

Bei Online-Gesprächen mit mehreren Teilnehmern werden wir zumeist in Briefmarkengröße als Teil der Galerieansicht gesehen. Zumeist erkennen wir noch den Kopf und ein bisschen was von den Schultern. Das heißt, wir hören den Inhalt und sehen vielleicht ein bisschen Mimik. Allerdings nehmen wir kaum noch Gestik wahr. Ansonsten sind wir auf reine Informationsinhalte angewiesen. Deswegen plädieren wir dafür, dass das Nonverbale, also der Ausdruck, die Gestik und Mimik, in den Vordergrund gerückt wird. Wir müssen sie übertreiben, damit sie wahrgenommen wird. Dies ist etwas, das man üben muss.

Was ist denn sonst noch anders?

Sousa: Ein weiterer Unterschied ist, dass man in Präsenzveranstaltungen immer noch einmal sagen konnte: “Moment mal, ich gehe noch eben zum Drucker”. Jetzt sind die Teilnehmenden in einem Bildschirmrahmen eingeschränkt. Ist der Platz leer, kommt uns das merkwürdig und ungewohnt vor. Und darum müssen wir genau dieses Bewusstsein entwickeln: Als Teilnehmer an Webmeetings oder Webinaren sind wir jetzt alle auch TV-Produzenten. Wir sind für die Inhalte und die Präsentation selbst zuständig und das bedarf guter Vorbereitung.

Woraus setzt sich Ihr Online-Coaching zusammen?

Sousa: Das Coaching besteht aus drei Modulen. Den ersten Teil machen technische Voraussetzungen und Inszenierung aus. Diese grundlegenden Bedingungen kann man mit Bordmitteln und ein wenig Bewusstsein bereits wesentlich verbessern. Das fängt schon mit ganz einfachen Dingen wie der Kameraposition an. Diese gehört nämlich auf Augenhöhe. Außerdem sollte die schlechte Laptop Kamera gegen eine hochwertige, externe Full-HD Kamera ausgetauscht werden.

Bereits nach anderthalb Stunden ist man ausgelaugt. Ganz zu schweigen von Sitzungen von sechs oder sieben Stunden. Dazu kommt, dass eine schlechte Akustik Zuhörer anstrengt.  Das heißt, der Raumhall und die Wahl des Mikrofons sind auch ganz entscheidend.

Die Umgebung ist doch sicherlich auch aussagekräftig, richtig?

Sousa: Bisher gibt es noch kaum ein Bewusstsein darüber, dass alles Informationsvermittlung ist – ebenso der Hintergrund. Auch dieser Fehler ist jedoch ganz leicht zu beheben: Man braucht einen ruhigen Hintergrund, der aber dennoch heterogen und abwechslungsreich sein darf. Schriftzüge oder zu viel Tumult lenken nämlich leicht von den Inhalten ab.

Und woraus besteht das zweite Modul Ihres Online-Coachings?

Sousa: Der zweite Teil geht der Frage nach: Wie funktioniert Kommunikation online? Die Kommunikationsgrundsätze von Sender, Empfänger und Information gelten auch online, aber wir müssen jetzt bestimmte Spielregeln beachten. Wir müssen aktiv nacheinander sprechen. Wir können uns nicht gegenseitig ins Wort fallen, denn es gibt ja keinen Seitenblick, um zu merken, dass das Gegenüber fertig mit Sprechen ist.

Außerdem kommt – wie bereits erwähnt – das Thema Mimik und Gestik hinzu. In einem Web-Meeting mit mehreren Teilnehmenden sind wir wahrscheinlich im “Galerieformat” in einer großen Briefmarkengröße zu sehen. Wie sollen dann Zuschauer oder Meeting-Teilnehmer Mimik überhaupt erkennen können? Wir üben im Coaching also Mimik und Expressivität – wir stacheln an, auch zu übertreiben und mutig zu sein. So werden Emotionen auch im kleinen Format deutlich. Das ist etwas, was für die meisten ungewohnt ist.

Technik und präzise Vorbereitung sind sehr wichtig. Und worum geht es im dritten Teil?

Sousa: Im dritten Teil geht es darum, wie wir mit den Medien umgehen. Auch Dramaturgie und Präsentation werden hier beleuchtet. 

Vielen ist nämlich nicht bewusst: Die Aufmerksamkeitsspanne liegt schon bei Präsenzmeetings nur bei ungefähr 20 Minuten, bei Onlinemeetings hingegen sind es noch weniger. Unsere Empfehlung ist also, alle zehn Minuten einen Medienwechsel einzubauen. Dies mögen Umfragen,  Videos oder Fragen in Chats sein, um das Ganze abwechslungsreicher zu gestalten und gegen Erschöpfung der Teilnehmer vorzugehen.

Sie waren als Online Coach auch an der Polis Convention beteiligt. Wie haben Sie diese komplett digitale Messe erlebt?

Sousa: Bei der Polis Convention gab es über zwei Tage verteilt insgesamt nahezu 140 externe Redner in ganz unterschiedlichen Formaten. Dabei ist offenbar geworden, dass relativ viele den Umgang mit den Plattformen, auf denen wir uns bewegen, nicht gewohnt sind und darin nicht geübt sind.

Am Vortag der Convention haben wir für alle Redner ein individuelles Coaching angeboten. Daran haben jedoch nicht alle teilgenommen. Auch hier ging es um die Basics: Wo mache ich was an und aus oder wo stelle ich meine Laptop hin?

Die Polis Convention ist eine seit 2015 stattfindende Messe für Stadt- und Projektentwicklung. Statt die Messe aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr abzusagen, wurde ein komplett digitales Konzept umgesetzt.

Wie gut hat es auf der Polis Convention funktioniert?

Sousa: Wir hatten es also sowohl mit Grundlagen zu tun als auch mit der Darstellung im vorhandenen Rahmen. Die Polis Convention hat in der Summe sehr gut funktioniert und die Inhalte sind rübergekommen. Dennoch gibt es einen großen Unterschied zwischen annehmbar gut und exzellent. 

Ich behaupte, dass die Erwartungshaltung im kommenden Jahr steigen wird, da man dann andere Redner gesehen hat, die zeigen, wie es besser geht. Es gilt, die Veranstaltungen und Konferenzen, die virtuell laufen, auf Dauer zu optimieren.

Durch die Corona-Pandemie hat es einen eindeutigen Trend in Richtung Homeoffice und Web-Veranstaltungen gegeben. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr?

Sousa: Wir sind uns in der Branche einig: Selbst wenn die Pandemie Ende nächsten Jahres nicht mehr in dieser Dimension existiert, wird ein sehr großer Anteil virtueller Kommunikation weiterhin beständig fortgeführt werden. Unternehmen merken nämlich ganz deutlich, an welchen Stellen sie einsparen können.

Doch durch virtuelle Veranstaltungen geht auch Nähe verloren. Auch dies werden Unternehmen in den nächsten Monaten erkennen. Eine Nähe zu eigenen Vertriebsleuten, Kunden, internen Leuten. Sie werden dann, so die Prognose, einen Mix erstellen. Die Zukunft ist hybrid, das erwarten wir alle in der Branche.

Vielen lieben Dank für den Einblick in das Coaching und das nette Gespräch, Herr Sousa. 

Allen, deren Interesse an dem Online Coaching geweckt wurde, empfehlen wir einen Blick auf die Website spoc.ruhr. Dort erhalten Sie weitere Informationen zu dem Coaching und zur Anmeldung zum Webinar.

JKR EVENTS - Jens Krause 2020

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